E-Mail Interview mit Prof. Dr. Hans-Ulrich Keller

01) Herr Professor Keller, gleich zu Beginn unseres Email-Interviews stelle ich Ihnen die Frage alle Fragen: wie kamen Sie zur Astronomie?

Schon im Vorschulalter fand ich Interesse an der Beobachtung von Mond und Sternen. Meine Tante, eine Lehrerin, erklärte mir so manches, z.B: auf dem Mond ist es kalt und die Sonne ist sehr heiß. Als ich lesen konnte, fiel mir ein Buch in die Hände, auf der die Reisezeiten zur Sonne anschaulich erklärt wurde – wie lange braucht ein Wanderer, ein Auto, ein Flugzeug, eine Rakete und das Licht zu ihr. Die Dimensionen im Weltall fand ich außerordentlich beeindruckend. Mit 12 Jahren hatte ich mir einen kleinen Refraktor von 5 cm Öffnung erspart, mit 14 Jahren wurde ich dann freier Mitarbeiter der URANIA-Sternwarte in Wien. Und ab 18 begann ich dann mit dem Studium der Astronomie, Physik und Mathematik an der Universität Wien. Wieder fand ich es sehr impressiv, durch den großen Refraktor (68 cm freie Öffnung, Brennweite 10,5 m) der Universitäts-Sternwarte Wien Planeten zu beobachten.

02) Viel Ihnen die Entscheidung Astronom zu werden leicht?

Es gab eigentlich keine große „Entscheidung“. So weit ich mich zurück erinnern kann, ich wollte immer schon Astronom werden. Mit einer Ausnahme: In den ersten zwei Semestern hörte ich eine Vorlesung über Zahlentheorie. Die Mathematik faszinierte mich so, dass ich fast entschlossen war, sie zu meinem Hauptfach zu wählen. Blieb dann aber doch bei der Astronomie, Mathematik blieb aber bis heute mein Hobby und zur Entspannung lese ich gerne Mathe-Bücher speziell über Zahlentheorie…

03) Was hat Sie in Ihrem beruflichen Leben entscheidend geprägt?

Die Erkenntnis: Mit Arbeit versaut man sich das ganze Leben – man soll nur seinen Hobbies nachgehen. Und das habe ich immer getan.
Beachtenswert fand ich den Spruch der alten Römer: Haec caelestes semper spectato, illa humana contemnito – Das Himmlische sollst du immer betrachten, das Menschliche aber schätze gering.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Keller

Prof. Dr. Hans-Ulrich Keller. Quelle: wiki.raumenergiewiki.de

04) Viele Menschen glauben immer noch, das die Astronomen Ihre Zeit damit verbringen nächtelang durch ein Teleskop zu blicken. Wie sieht der Arbeitsalltag eines Astronomen wirklich aus?

Kommt auf die Position an, die man als Astronom hat. Als Direktor eines Instituts gibt es viel Verwaltungsarbeit und Organisatorisches ist zu erledigen, Personalführung und –einsatz. Arbeit in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien und Organisationen usw.
Als Professor sind Vorlesungen zu halten, Übungen und Seminare sowie Prüfungen durchzuführen… nicht zu vergessen ist das Studium der immer umfangreicher werdenden Fachliteratur.
Ins Fernrohr blicken nur noch die Sternfreunde und Amateurastronomen oder gelegentlich mal in der Freizeit.
Ferner gehört die Auswertung von Beobachtungen, Berechnungen und das Publizieren von Fachartikeln und Büchern zu den zeitaufwändigsten Tätigkeiten.
Die Beobachtungen erfolgen heute auf wenigen Großsternwarten, wobei die einzelnen Astronomen sich dort nur wenige Nächte aufhalten und durch Nachtassistenten, Techniker und Ingenieure unterstützt werden (die die eigentlichen „Beobachter“ vor Ort sind). Inzwischen erfolgen über 50 Prozent der astronomischen Beobachtungen vollautomatisch, vor allem von Satelliten und Raumsonden. Man kann mitten am Tag dann am Monitor die Daten direkt einsehen. Nachtarbeit ist die seltene Ausnahme. Die romantischen Vorstellungen von den nächtlichen Aktivitäten der Astronomen sind ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert und davor.

05) An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?

An mehreren, u.a. am HIMMELSJAHR 2014, einem neuen Skriptum für meine Vorlesung zur astronomischen Chronologie etc.

06) Neben den Teleskopen ist der PC ein wichtiges Werkzeug für die Astronomie. Ihr HIMMELSJAHR gibt es ja auch auf CD-ROM. Dazu kommt noch das Internet. Diskussionsforen, Webseiten, Blogs und Datenbanken wie etwa Simbad sind für viele unentbehrlich geworden. Wie stark nutzen Sie für Ihre Arbeit das Internet?

Ohne Computer wäre die Arbeit heute undenkbar. Sie dienen aber in erster Linie zu Berechnungen und Informationsaustausch mit Mitarbeitern und Kollegen weltweit, die Nutzung von Datenbanken, Infos aus erster Hand wie IAU (International Astronomical Union), NASA, US. Naval Observatory – Nautical Almanac Office, Minor Planet Center uvm. Vor „Googeln“ und sonstigen Suchmaschinen muss man warnen. Da gibt es leider viele nicht korrekte Angaben – vorsichtig ausgedrückt. Für Twittern, blogs, Foren, soziale Netzwerke wie Facebook habe ich keine Zeit…

07) Könnten Sie sich vorstellen einen eigenen Blog zu betreiben?

Siehe 06 !

Wo ist die zweite Erde?

“Kosmos Himmelsjahr 2013, Seite 142, Monatsthema “Wo ist die zweite Erde?”. Copyright Ralf Schoofs/Astrofoto. Digital, Gimp 2.8, 1453 px mal 1090 px, 2012.

08) Wie ist Ihre Meinung zu den “neuen Medien”, wie Facebook, Twitter, StudiVZ, Xing, und dergleichen?

Wem’s Spass macht…ok

09) Wir leben in einer sich immer schneller verändernden Welt. Wie gehen Sie mit diesen Veränderungen um?

Ok, vieles ändert sich, aber mir geht es meist noch zu langsam. Aber ich sehe das sehr positiv. Früher musste man sich mit Logarithmentafeln und solchen für Winkelfunktionen abplagen, die ersten Taschenrechner waren sauteuer – heute hat man super Möglichkeiten, Berechnungen in Minutenschnelle durchzuführen, wofür man früher einen ganzen Tag brauchte. Unglaublich, was Taschenrechner und Computer heute zu geringsten Kosten leisten. Und erst die neuen Beobachtungstechniken! Wo wären wir Astronomen ohne CCDs und die modernen elektronischen Auswerte-Verfahren und die tollen Software-Angebote?!

10) Wenn Sie einen Plan für die nächsten, sagen wir vier Jahre hätten, wie würde der in etwa aussehen?

…über ungelegte Eier soll man nicht gackern.

11) Was würden Sie den jungen Menschen raten, die gerade ihr Abitur/Hochschulreife erlangt haben und die vor der Entscheidung stehen ob Sie ein Studium beginnen oder in das Berufsleben einsteigen sollen?

Kommt auf Interesse und Begabung an. Naturwissenschaften und Technik sind immer gefragt, wenn auch zur Mathematik kein Königsweg führt. Wer sich jedoch damit abplagt, sollte lieber eine praktische Berufausbildung anstreben. Nur wenn einen ein Fach wirklich begeistert und man es aus Interesse studiert, dann lohnt es sich und dann gibt es auch gute Chancen am Arbeitsmarkt.

Saturn und Tethys

Der Ringplanet Saturn von seinem Mond Tethys aus gesehen. “Kosmos Himmelsjahr 2010″, Seite 97, Monatsthema “Die Monde des Ringplaneten”. Copyright Ralf Schoofs/Astrofoto. Digital, Photoshop, Lightwave, 10000 x 7500 px, 2007.

12) Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, worauf sind Sie besonders stolz?

Stolz bin ich auf gar nichts. Aber es freut mich und ist eine gewissen Genugtuung, dass etliche meiner Schüler und Studenten inzwischen in der Astronomie Karriere gemacht haben und einige auch Professoren und/oder Leiter von astronomischen Instituten geworden sind.

13) Gibt es einen Traum, den Sie sich erfüllen möchten?

Nur wenn man darüber nicht spricht, kann ein Traum in Erfüllung gehen.

14) Zum Abschluss möchte ich Ihnen eine sehr persönliche Frage stellen: was haben Sie vom Leben gelernt?

Gelassenheit – Alles „Sine ira et studio“ managen.

 

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Space Art: Bild des Monats November 2012 – Meteore über dem Mars

NOVEMBER 2012

Meteore über dem Mars

Boliden über der Marsoberfläche

Meteore über dem Mars
Drei große Meteore rasen über den Himmel des Mars.
Acryl auf Hartfaserplatte, 60 x 90 cm, 1998.
Ob der Mars Rover Curiosity in der Lage sein wird Sternschnuppen auf dem Mars zu fotografieren, glaube ich ja nicht. Der vierte Planet unseres Sonnensystems hat nur eine sehr dünne Atmosphäre. Zitat aus Wikipedia:

Der atmosphärische Druck beträgt auf der Oberfläche des Mars im Schnitt nur 6,36 hPa (Hektopascal). Im Vergleich zu durchschnittlich 1013 hPa auf der Erde sind dies nur 0,63 % und entspricht dem Luftdruck der Erdatmosphäre in 35 Kilometern Höhe. Die Atmosphäre wurde wahrscheinlich im Laufe der Zeit vom Sonnenwind abgetragen und in den Weltraum mitgerissen. Dies wurde durch die geringe Schwerkraft des Planeten und sein schwaches Magnetfeld begünstigt, das kaum Schutz vor den hochenergetischen Teilchen der Sonne bietet.

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